Wie Kreative (trotzdem) erfolgreich werden

kreatives Gehirn

Was haben erfolgreiche Künstler, Autoren, Filmschaffende und Musiker gemeinsam? Sie alle sind extrem kreativ. Sie finden völlig neue Methoden, Perspektiven, oder Lösungen, die unser bisheriges Wissen auf den Kopf stellen können. Ohne die menschliche Kreativität gäbe es auch keinen Fortschritt. Es ist eine menschliche Eigenschaft, die uns beeindruckt und manchmal fast wie eine Superkraft auf uns wirkt. 

Doch trotz dieser Superkraft, tun sich viele sehr kreative Menschen schwer erfolgreich zu werden. Woran liegt das? Was ist Kreativität eigentlich und wie geht man damit um? In diesem Artikel erfährst du alles über Kreativität und lernst auf Basis unterschiedlicher psychologischer Studien, wie du als kreativer Mensch dein volles Potenzial entfalten kannst und erfolgreich wirst.

Was ist Kreativität überhaupt?

Einer der einflussreichsten Psychologen, der das Thema der Kreativität revolutionierte, war Joy Paul Guilford. Er kritisierte die damalige Annahme, Kreativität sei ein Nebenprodukt von Intelligenz. Stattdessen ist das divergente Denken – also die Fähigkeit, unterschiedliche Lösungen für das gleiche Problem zu finden – die relevanteste Eigenschaft von Kreativität. 

Er entwickelte auch unterschiedliche Tests, um Kreativität zu messen. Diese Tests umfassten Aufgaben wie das Finden von Verwendungsmöglichkeiten für alltägliche Gegenstände oder das Erfinden von Geschichten zu vorgegebenen Titeln. Er war auch der Meinung, Kreativität ist etwas, was weiterentwickelt und gefördert werden kann. Das heißt auch, dass das richtige Umfeld ebenfalls wichtig ist, um kreativ zu werden. Dabei spielen sowohl die Erziehung, als auch die sozialen Rahmenbedingungen eine große Rolle.

Das „Vier K Modell der Kreativität“

Laut der wissenschaftlichen Arbeit von Dr. James C. Kaufman und Dr. Ronald Beghetto gibt es vier Stufen der Kreativität. Ihrer Ansicht nach findet sich in jedem Menschen ein gewisses Level an Kreativität. Doch es gibt natürlich einen Unterschied zwischen einem Kind, das ein Bild gemalt hat und Christopher Nolan.

Mini-K:

Das ist die Stufe der Kreativität, die jeder Mensch ganz persönlich wahrnimmt. Sie dient als Lernprozess, in dem Individuen neue Ideen, Konzepte oder Interpretationen erfassen, die zwar für die betreffende Person neu und nützlich sein mögen, jedoch nicht unbedingt von anderen wahrgenommen oder bewertet werden. Diese Form der Kreativität ist grundlegend für die persönliche Entwicklung und das Verständnis.

Kleines-K:

„Little-c“ bezieht sich auf die Kreativität, die sich im täglichen Leben zeigt. Diese kann in Problemlösungen des Alltags, in Hobbys oder in anderen nicht-professionellen Kontexten auftreten. „Little-c“ Kreativität führt oft zu nützlichen und erfreulichen, aber nicht unbedingt weltverändernden Neuerungen.

Pro-K:

Sie steht für das Niveau der Kreativität, das von Menschen erreicht wird, die in ihrem jeweiligen Bereich (z.B. Wissenschaft, Kunst) eine professionelle Expertise erlangt haben. Diese Personen haben häufig jahrelange Erfahrung und Leistungen, die sie dazu befähigt, anerkannte Beiträge zu ihrem Fachgebiet zu leisten, die von Gleichgestellten als hochwertig angesehen werden.

Großes-K:

„Big-C“ bezieht sich auf die Kreativität, die zu Werken oder Leistungen führt, die historisch als herausragend betrachtet werden. Diese Art von Kreativität führt zu bahnbrechenden und oft dauerhaften Beiträgen zu einem Feld oder zur gesamten Gesellschaft und wird in der Regel erst rückblickend vollständig erkannt und gewürdigt.

kreative persönlichkeit frau
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Persönlichkeitsmerkmale von kreativen Personen

Eine spannende Meta-Studie von Gregory J. Feist, beschäftigte sich mit typischen Persönlichkeitsmerkmalen von kreativen Personen. Dabei kam heraus, dass sowohl kreative Künstler, als auch Wissenschaftler eine hohe Offenheit für neue Erfahrungen aufweisen, selbstständiger sind, eher introvertiert, dominanter und tendenziell sogar feindseliger. 

Bei dieser Beschreibung kommen einem sicher einige erfolgreiche CEOs, Professoren oder Regisseure in den Sinn. Trotz der vielen guten Eigenschaften können kreative Menschen schwierig sein. Ihr konfrontatives Verhalten kann dazu führen, dass sie sich bei Menschen unbeliebt machen. Es ist also wichtig für kreative Menschen, das eigene Verhalten zu beobachten und nicht über die Stränge zu schlagen. Denn besonders, wenn es um Filmprojekte geht, ist Teamwork sehr wichtig. Und das geht nur, wenn man eine Atmosphäre schafft, in der sich die Teammitglieder wohlfühlen. 

Doch ein gewisses Maß an Durchsetzungsfähigkeit ist manchmal wichtig, auch wenn es verletzend wirken kann, um Projekte erfolgreich umzusetzen. Auch bestehende Prozesse, oder Systeme zu hinterfragen ist notwendig, um innovative Ideen zu entwickeln. Allerdings tendieren kreative Menschen manchmal dazu, zu viel zu hinterfragen und das Rad neu zu erfinden, wo es gar nicht nötig wäre. „Never change a running System“ kann manchmal ein gutes Motto sein.

Künstler tendieren dazu, emotional expressiver, impulsiver und intuitiver zu sein. Impulsivität gehört zur Kreativität dazu, doch nicht alle Ideen sind auch gute Ideen. Manchmal lohnt es sich, abzuwarten und nicht voreilig zu handeln. Damit tun sich kreative Menschen manchmal schwer und das kann zu Fehlern führen, die einen am Erfolg hindern. Eine mögliche Lösung ist es, sich erst mal mit anderen, eher vorsichtigeren Kollegen abzusprechen, bevor man handelt. Es lohnt sich auch vorher die Fakten zu betrachten und nicht aus einem emotionalen Affekt heraus zu handeln, auch wenn es sich in dem Moment gut anfühlt.

creative young student
creative young student

Aufmerksamkeit, Konzentration und wie man die höchste Stufe der Kreativität erreichen kann

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg und Kreativität ist die Konzentrationsfähigkeit. Laut einer Studie von Oshin Vartanian ist die variable Aufmerksamkeitsfähigkeit extrem wichtig, wenn es um kreative Problemlösungen geht. Menschen, die gut darin sind, zwischen einem hoch fokussierten und einem diffusen Modus zu wechseln, sind besser in der Lage, Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und originelle Lösungen zu finden. Eine weitere Studie deutet darauf hin, dass die Fähigkeit unwichtige Reize auszublenden, bei kreativen Menschen gehemmter ist. Das bedeutet aber auch, dass es üblich ist, dass Kreative sich schwerer tun sich zu konzentrieren.

Doch der Modus, der einen zur höchsten Stufe der Kreativität katapultieren kann, ist der „Flow State“. Das ist der Zustand, wenn man so in eine Aufgabe vertieft ist, dass man alles um sich herum vergisst und vollkommen im Moment aufgeht. Um diesen Zustand zu erreichen, muss man eine Aufgabe finden, die einen fordert, aber nicht zu schwierig ist. Die perfekte Balance sorgt dafür, dass man in einen fast meditativen Zustand verfällt. Es wurde nachgewiesen, dass Menschen, die häufig den Flow State erreichen, zufriedener sind und eine stabile Psyche haben. 

Es gibt auch einige Mittel, die die Kreativität steigern können. Stress wirkt sich negativ auf die eigene Kreativität aus. Deswegen sind Mittel, die Stress reduzieren und einen entspannen, förderlich für die Kreativität. Abgesehen davon sind natürlich auch einige Drogen dafür bekannt, die Kreativität zu boosten. Dazu zählen vor allem bewusstseinserweiternde Drogen, wie Pilze und LSD. Doch diese Mittel sind in Deutschland nicht legal und sollten ohnehin mit größter Vorsicht behandelt werden, da sie auch einige Nebenwirkungen hervorrufen können. 

Im Silicon Valley ist es jedoch nicht unüblich, „Microdosing“ mit LSD zu betreiben. Das liegt vor allem daran, dass diese Drogen das Gehirn empfänglicher für Reize machen und neue neuronale Verbindungen zwischen Gehirnarealen verändern können. Viele Nutzer berichten nach ihren „Trips“ von Erfahrungen, die ihr Weltbild veränderten. Abgesehen von Bewusstseinserweiternden Substanzen, kann auch der Konsum von Cannabis einen kreativer machen. Doch auch hier sollte man oberste Vorsicht walten lassen, da auch Cannabis einen süchtig machen kann.

Warum prokrastinieren kreative Menschen?

Kreative Menschen sind sehr stark von intrinsischer Motivation getrieben. Sie können sich also selbst motivieren, etwas zu tun, das sie begeistert. Sie lassen sich weniger von extrinsischen, äußerlichen Einflüssen und Faktoren beeinflussen. Das Problem ist nur, dass nicht jede Aufgabe immer das ist, was man wirklich tun will, besonders, wenn man mit Kunden arbeitet. Dementsprechend tun sich kreative Menschen manchmal schwer, diese wichtigen, aber uninteressanten Aufgaben zu erledigen und schieben sie aufgrund mangelnder Motivation auf. 

Ein Persönlichkeitsmerkmal, dass ein extrem guter Prädikator für Erfolg ist, ist Gewissenhaftigkeit. Diese bezieht sich darauf, wie ordentlich, pflichtbewusst, organisiert und zielgerichtet jemand ist. Da fällt einem schnell auf, dass das nicht gerade Eigenschaften sind, für die kreative Menschen bekannt sind. Und genau das ist das Problem. Kreative sind oft chaotisch, unorganisiert und wie bereits erwähnt auch impulsiv. Außerdem scheuen sie die Routine und es mangelt ihnen an Disziplin. 

Doch gerade, wenn man finanziell erfolgreich werden will, dann sind Zuverlässigkeit und Pflichtbewusstsein extrem wichtig. Sowohl Kunden als auch Crewmitglieder müssen sich auf dich verlassen können und erwarten Ergebnisse. Arbeite also gezielt an diesen Eigenschaften, setze dir kleine Ziele und halte dich daran. Nutze Kalender, Notizen und bereite dich gut vor. Allein dadurch stichst du aus der Masse heraus, denn andere sehen, dass du es ernst meinst. Du wirkst automatisch professioneller.

Fazit

Kreativität ist eine der wichtigsten Eigenschaften, um erfolgreich zu werden. Doch sie allein reicht nicht aus. Gerade kreative Menschen weisen andere Eigenschaften auf, die sie am Erfolg hindern können. Es ist wichtig seine Stärken und Schwächen zu kennen und bewusst an seinen Schwächen zu arbeiten, sowie sich mit anderen zusammenzutun, die dort stark sind, wo man selbst Probleme hat.

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